Ritter der Schwerter

Wunschwolken

von Tarot
Ritter der Schwerter
 

Larissa saß bequem auf der Gartenbank und hatte alle viere von sich gestreckt. Sie genoß den Sonnenschein und spürte, wie sie sich nach und nach mehr entspannte. Hach, ich müßte mir viel öfters die Zeit nehmen, um mich ein wenig zu entspannen.

Sie legte den Kopf in den Nacken und verfolgte eine Weile das Spiel der Wolken mit den Augen. Die Wolken formten sich wieder und wieder zu verschiedenen Bildern zusammen.

Die Wolken schlichen sich in ihre Gedanken und Larissa wurde von dem Spiel in ihren Bann gezogen. Sie träumte vor sich hin und plötzlich waren die Wolken keine Wolken mehr. Jeder der Wolken da oben war ein Wunsch, ein unbedacht ausgesprochener Wunsch, also Wunschwolken eben.

Wie oft wünscht man sich: ich möchte gern einmal da oder auch da hin fahren. Dann vergißt man diesen Wunsch aber wieder. Ich werde etwas mehr für meine Gesundheit tun, ist ein weiterer Wunsch, der oft ausgesprochen oder auch nur gedacht wird. Aber dann wird dieser Wunsch wieder vergessen.

Larissa stellte sich vor, wie viele Wünsche von ihr schon da oben in dem Wolkenland lagen. Vielleicht sollte es so eingerichtet werden, daß die Sonne nicht mehr scheinen kann. Wenn jetzt jede Wolke ein dahin gesprochener Wunsch ist - und es gibt viele Wünsche - dann ist der Himmel voller Wunschwolken. Wenn wir die Sonne wieder sehen wollen, dann müßten wir erst etwas dafür tun, dachte Larissa und räkelte sich noch ein wenig mehr. Jeder müßte nachdenken, was habe ich mir denn vorgenommen oder was habe ich mir gewünscht? Es ist gar nicht so schwer, Dinge. die jemand sich gewünscht hat, auch durchzuführen. Wenn jeder einzelne intensiver leben würde, sich seine eigenen kleinen Wünsche erfüllt, würde auf unserer Erde viel öfters die Sonne scheinen.

Wer hat denn keine Wunschwolken am Himmel?

© 1992 TAROT