Schwert 5

CARINA - Die Gegnerin

von Tarot
Schwert 5
 

  Wohlig reckte und streckte sich Bianca in ihren Kissen, blinzelte ein wenig in die Sonne und rollte sich dann auf die Seite, um einen Arm langsam zu Bernd hinüber zu schieben.
  "Hey, aufwachen, Du Schlafmütze."
  Es war ein Samstag, der einzigste Tag in der Woche, an denen Bernd und Bianca etwas zusammen unternehmen konnten, da beide berufstätig waren. Sicher, da gab es noch die Sonntage, aber wer kann schon sonntags durch Geschäfte bummeln oder gemeinsam etwas einkaufen oder aussuchen gehen?
  Behende sprang Bianca aus dem Bett, nicht ohne vorher Bernd noch einen zärtlichen Guten-Morgen-Kuss gegeben zu haben, um in der Küche das Frühstück zu richten. Im Radio lief einer von Biancas Lieblingsschlagern. Übermütig tänzelte sie dazu durch die Küche.
  Ob es heute endlich zu der Buchung für die ersehnte Urlaubsreise kommen würde? Bianca wünschte sich schon seit fast 4 Wochen, dass Bernd endlich mit ihr in das Reisebüro gehen würde. Aber immer wieder war etwas dazwischen gekommen.
  Bernd setzte sich zu Bianca an den Frühstückstisch. "Hm, das duftet aber verlockend. Kaffee und selbstgemachte Croissants. Liebling, Du verwöhnst mich. Sag mal, Du willst doch was von mir oder irre ich mich da?"
  Bianca tat so, als schmolle sie ein wenig, gab dann aber zu, dass sie doch endlich die Reise mit Bernd buchen wolle.
  "Hey, komm mal her," meinte Bernd und klopfte sich auf die Oberschenkel. "Komm her und setz Dich."
  Als Bianca sich auf Bernds Oberschenkel niedergelassen hatte und sich so richtig an ihn gekuschelt hatte, wurde Bernd doch ganz anders. Sie hatte immer noch eine so starke Wirkung auf ihn.
  "Also Liebling, wir werden heute ins Reisebüro gehen. Ganz bestimmt! Ich will nur vorher für die Carina......."
  Behende sprang Bianca von Bernds Schoss. "Wusste ich es doch...ich...ich wusste, dass wieder erst die Carina..."
  Tränen schossen ihr in die Augen, und voller Wut, weil sie sich wieder einmal nicht beherrschen konnte, lief sie aus der Küche.
  Erst ein paar Minuten später kam sie in die Küche zurück.
  "Entschuldige bitte, Bernd...ich weiss, es war dumm von mir."
  "Liebling, ist schon gut. Es war dumm von mir. Komm, zieh Dir etwas besonders hübsches an und dann gehen wir in die Stadt und gehen ins Reisebüro."
  Bianca schniefte noch einmal und nahm sich in Gedanken zum hundersten Mal vor, nicht so aggressiv auf den Namen Carina zu reagieren.
  Eine halbe Stunde später gingen Bianca und Bernd die Straße in Richtung Stadt hinunter. Übermütig wie zwei Kindern balancierten sie über eine Bürgersteigkante und Bianca lachte laut schallend, als Bernd dabei wieder einmal nicht die Balance halten konnte.
  Bianca genoss diese lockere Atmosphäre sehr. Zu selten konnte sie mit Bernd etwas gemeinsam unternehmen. Ob das wohl allen Paaren so ergeht?
  Völlig in Gedanken hakte sie sich bei Bernd ein und lief neben ihm her. So merkte sie es erst gar nicht, als Bernd mit ihr ein großes Kaufhaus betrat. Zielstrebig steuerte Bernd mit Bianca die Kosmetikabteilung an. Hinter der Theke bediente eine nette, gutaussehende Blondine. Ein kleines Namensschildchen an der Bluse gab den Kunden zu erkennen, dass sie von "Frl. Carina" bedient wurden.
  Bianca biss sich auf die Lippen, als sie den Namen las und nahm sich zum x-ten Male vor, auf diesen Namen nicht so impulsiv zu reagieren.
  Nachdem Bianca sich ein neues Parfum ausgesucht hatte und dieses von Frl. Carina besonders hübsch verpackt worden war, dachte Bianca, dass es jetzt zum Reisebüro gehen würde. Doch Bernd lotste Bianca erst ins Cafe. Hier bat er sie, sich ein paar Minuten zu gedulden, er wäre gleich wieder da.
  Bernd erschien auch schon ein paar Minuten später wieder und setzte sich zu Bianca.
  "Was hast Du gemacht, Bernd?", wollte Bianca wissen, doch sie bekam von Bernd nur eine ausweichende Antwort:
  "Ich habe nur eben schnell etwas bestellt. Liebling, komm, beeile Dich, wir wollen doch noch ins Reisebüro."
  "Bernd, bitte sag mir, was hast Du bestellt?"
  "Ach, es war nichts besonderes."
  "Dann kannst Du es mir ja auch ruhig sagen", meinte Bianca und ahnte plötzlich, was auf sie zukam.
  "Wenn Du es unbedingt wissen willst: Ich habe einen Satz Alufelgen mit Reifen für die Carina bestellt!"
  Bianca wurde schneeweiss im Gesicht, sprang auf und schleuderte Bernd zornerfüllt die Worte zu: "Du und Dein Auto - Deine Toyota-Carina - ich hasse das Auto! Immer kommt erst das Auto - das Auto und noch mal das Auto. Und wann komme ich mal zuerst?"


© 1992 Tarot