Zimmer 225

von Ambiente
 

   Aufgeregt betrete ich die Lobby des Hotels und wende mich direkt nach rechts, wo das Haustelefon steht. Ich weiß, daß er inzwischen eingetroffen ist und unserem Zusammentreffen ebenso entgegen fiebert wie ich. Aber für dieses Mal habe ich mir etwas besonderes ausgedacht. Ein lang gehegter Wunsch soll heute für mich in Erfüllung gehen - wenn er mitspielt.
   Ich greife zum Hörer und spüre, wie mein Herz ganz laut in der Brust hüpft. Gleich werde ich seine Stimme hören. Da wird am anderen Ende schon abgenommen.
   "Ja, bitte?"
   "Zimmer 225?", frage ich.
   "Hey Liebes, erkennst Du meine Stimme nicht?"
   Ich frage noch einmal "Zimmer 225?" - mehr nicht. Da ahnt er, daß er in eines "meiner" Spiele getaucht ist. Ich fühle fast körperlich, wie er sich aufrichtet und einmal tief die Luft einsaugt, dann kommt vom anderen Ende, mit einer völlig anderen Stimme - kühl abwartend - von ihm: "Hier Zimmer 225".
   "Gut!" antworte ich. "Sie sind mir von einer Freundin, einer Geschäftsfrau aus dieser Stadt, empfohlen worden. Deshalb habe ich gerade Sie von der Agentur angefordert. Sie sagte mir, Sie erfüllen auch spezielle Wünsche?"
   Am anderen Ende der Leitung ist es erst einmal still. Er muß erst einmal verdauen, was ich da von ihm erwarte, was für ein Spiel ich mir da ausgedacht hatte: Ich wollte ihn als Callboy.
   Er scheint einen Entschluß gefaßt zu haben. Ich halte den Atem an, denn ich befürchte doch ein wenig, daß er in dieses Spiel nicht einwilligen wird.
   "Madame, wann darf ich Sie erwarten?"
   Mir wird heiß und am liebsten möchte ich den Hörer einfach fallen lassen und nach oben stürmen. Aber ich spüre, ich muß ihm Zeit lassen, Zeit, um sich auf diese für ihn neue Situation einzustellen. Ich kenne ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, daß er immer eine Weile braucht, um sich in ein Spiel fallen zu lassen. Ich kenne und akzeptiere dies auch.
   "Ich werde in einer Stunde bei Ihnen eintreffen. Ich wünsche kalte Getränke auf dem Zimmer, bitte arrangieren Sie das." Damit lege ich auf und verlasse umgehend das Hotel, um nicht schwach zu werden und doch noch nach oben zu eilen, um einfach in seine Arme zu sinken. Ich fühle, daß ich damit eine Stunde des Zusammenseins verschenke, aber andererseits ist es notwendig, wenn die Inszenierung in meinem Sinne ablaufen soll.
   Ich gehe in ein nahegelegenes Café und bestelle mir eine russische Schokolade. Noch einmal gehe ich die Einzelheiten des Zimmers und dessen Umgebung in meinem Kopf durch. Vor einigen Monaten hatte ich einen Geschäftspartner in diesem Hotel untergebracht, da er als Referent für meine Firma einen Vortrag halten sollte. Als ich ihm noch einige Unterlagen zu seinem Zimmer brachte, fiel mir dessen ausgesprochen günstige Lage sofort auf. Bunte Bilder zogen damals sofort an meinem inneren Auge vorbei, und ich mußte schlucken, um mich wieder auf meinen Gast zu konzentrieren.
   Das Zimmer lag am Ende eines Flures. Es hatte keine unmittelbaren Nachbarzimmer, denn auf der einen Seite wurde es durch die Außenmauer des Hotels begrenzt und auf der anderen Seite war der Hausflur, der als Notausgang konzipiert war. Gegenüber gab es kein Zimmer, da das Hotel von der Architektur her schräg gebaut war. Dem Hausflur gegenüber gab es nur eine Wäschekammer. Also lagen alle weiteren Gasträume mehr als sieben Meter von dem Zimmer entfernt. Außerdem gelangte man nicht direkt in das Zimmer, sondern vom Hotelflur aus in eine Art Vorraum. Von diesem gingen zwei Türen ab, eine ins Bad und erst die andere führte ins Zimmer.
   Meine Gedanken schweifen durch das Zimmer, versuchen sich vorzustellen, wie er gerade jetzt diese Örtlichkeit untersucht, sich ein Bild von den Spielmöglichkeiten macht, oder ob er sich einfach aufs Bett gelegt hat, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, so wie er es immer tut, wenn er eine Session im Geiste entstehen läßt und die einzelnen Schritte plant und zu einem Ganzen zusammenfügt.
   'Wenn doch die Zeit schneller vergehen würde', aber egal wie oft ich auf die Uhr schaue, es ist noch nicht so weit. Ich versuche mir vorzustellen, wie es gleich sein wird, wenn ich an die Türe klopfe. Wie er wohl reagieren wird?
   Endlich ist die Zeit um. Mir kommt es vor wie die längste Stunde, die ich je durchgestanden habe. Die paar Schritte zum Hotel lassen die Erregung in mir anwachsen. Ein wenig Angst vor der eigenen Courage stellt sich ein, läßt mich fiebrig werden. Was wird sein, wenn in seiner Phantasie etwas ganz anderes entstanden ist als in meiner? Ich betrete die Halle und der Weg zum Lift erscheint mir endlos. Ich trete von einem Fuß auf den anderen. Alles scheint wie in Zeitlupe abzulaufen. Die Lifttüre geht endlich auf und ich trete ein, um sofort auf den Knopf für das zweite Stockwerk zu drücken. Ich bin froh, daß ich allein in der Kabine bin. So kann ich mein Äußeres, welches ich mit Bedacht für diesen Moment gewählt habe, noch einmal in Ruhe begutachten.
   Das silbergraue, fein gestreifte Kostüm sitzt perfekt. Seltsam, sonst kam mir der Rock immer etwas zu kurz vor, in diesem Augenblick wünsche ich ihn noch ein wenig kürzer. Das schwarze Top ist perfekt auf das Kostüm abgestimmt. Ich lege die Hände an den Rock und ziehe ihn hoch. Ja, der schwarze Strumpfgürtel sitzt einwandfrei und die Strümpfe sind mittels der Strapse genau am richtigen Platz. Meine hochhackigen Pumps runden das Bild ab. Ich drehe mich noch einmal zur Seite. Ja, es ist alles bestens, da gleiten die Türen auf und ich erröte etwas, weil ein Gast des Hauses vor dem Aufzug steht. "Ups!" rutscht mir heraus. Schnell ziehe ich den Rock wieder an seinen Platz. Ich schenke dem Gast noch ein kurzes Lächeln, drücke mich an ihm vorbei und lasse ihn da stehen. Vorsichtshalber drehe ich mich nicht mehr nach ihm um. All meine Gedanken richten sich jetzt auf die Tür am Ende des Flures.
   Ich stehe vor der Tür, sehe die Nummer 225 vor mir und spüre, wie sich eine feine Schweißschicht über meinem Körper ausbreitet. Mir wird heiß, obwohl noch nichts geschehen ist. Ich hebe die Hand und klopfe jetzt, ohne noch einmal zu zögern, an die Tür. Ich bin sehr gespannt, wie er mich empfangen wird. Einige Sekunden vergehen, dann öffnet er mir die Tür. Sein Anblick verschlägt mir die Sprache.
   Hochaufgerichtet steht er vor mir. Gekleidet ist er mit einer schwarzen Hose und einem makellosen weißen Hemd. Er läßt mir einen Augenblick Zeit, damit ich ihn betrachten kann. Dann reicht er mir seine Hand und sagt: "Madame, ich habe Sie erwartet"; er gibt er mir einen formvollendeten Handkuß und bittet mich einzutreten.
   Er führt mich ins Zimmer, läßt aber die Verbindungstür vom Vorraum ins Zimmer offen. "Möchten Sie ablegen?" fragt er mich, und ich nicke zustimmend mit dem Kopf. Ich reiche ihm meine Kostümjacke und er bietet mir einen Platz auf der Telefonbank im Zimmer an.
   Er geht gemessenen Schrittes in den Vorraum zurück um meine Jacke aufzuhängen. Ich schaue mich währenddessen im Zimmer um und sehe, daß er eine Flasche Mineralwasser und zwei Gläser besorgt hat. Außerdem sehe ich seine Tasche, in der er immer unsere Spielzeuge transportiert, wenn wir diese woanders benötigen. Auf dem Tisch neben dem Telefon liegt ein Buch. Ich kann gerade noch den Titel sehen - Die Regenkönigin - bevor er wieder zurück ins Zimmer kommt. Er setzt sich neben mich, nicht zu nah, wahrt noch Distanz.
   "Madame haben ausdrücklich nach mir gefragt? Warum?"
   "Nun, ich sagte schon, eine Freundin von mir hat mir nur Gutes über Sie berichtet. Sie hat ähnliche Vorlieben wie ich."
   "Welche Vorlieben haben Sie?" fragt er mich nun direkt.
   Ich hole noch einmal tief Luft, schaue ihn und sehe ein warmes Leuchten in seinen Augen. Er fühlt, wie schwer es mir fällt, meine Rolle beizubehalten. Er hilft mir umgehend, indem er sofort wieder sein kühles, geschäftsmäßiges Lächeln aufsetzt.
   "Nun, ich wünsche mir Härte und keine Nachsichtigkeit. Ich möchte, daß Sie mich bezwingen, ohne mich zu verletzen oder mich zu erniedrigen. Ich will Ihre Macht spüren."
   Er nickt, steht auf und gießt uns jeweils ein Glas Wasser ein. Er reicht mir mein Glas und sagt: "Gut!", gefolgt von einer bedeutungsschwangeren Pause, "...gut. Legen Sie Ihren Obolus in das Buch neben dem Telefon. Bitte ziehen Sie Ihren Rock und das Top aus. Wenn Sie dann bereit sind, legen Sie sich auf das Bett."
   Nach diesen Worten dreht er sich um und verläßt das Zimmer, um ins Bad zu gehen. Ich ziehe mich aus und lasse die Atmosphäre auf mich einwirken. Er hat sich wirklich voll auf die Situation eingestellt. Die Nähe und doch Distanziertheit macht mich völlig an. Das betonte "Sie" intensiviert die Situation noch. Ich stelle mich noch einen Augenblick ans Fenster, trinke das Glas Wasser aus und spüre, jetzt ist der Moment da. Jetzt kann es beginnen.
   Ich ziehe mich soweit aus, wie er es angeordnet hat und gehe dann aufs Bett zu und lege mich auf den Rücken. Alles in mir ist gespannte Erwartung. Was wird er tun? Wie wird er beginnen? Diese Fragen kreisen immer wieder in mir herum.
   Er läßt mir noch einige Minuten. Er kennt mich schon so gut, daß er weiß, wie er mich in die richtige Verfassung bringt.
   Dann steht er in der Tür, lässig gegen den Türrahmen gelehnt, und taxiert wohlwollend meinen Körper. Intensiv ist dieser Blick, fast körperlich spürbar. Ohne daß ich weiß warum, schlage ich meine Augen nieder. Ich fühle, wie er sich vom Türrahmen löst und auf das Bett zukommt. Langsam knöpft er sich sein Hemd auf, zieht es aber noch nicht aus. Er zieht sich erst die Hose aus, legt die Socken zur Hose und streift jetzt lässig das Hemd von den Schultern. Ich blinzele unter den Augenlidern hervor und es überflutet mich heiß, als ich sehen kann, wie er seinen Slip auszieht und ich seine Erregung überdeutlich sehen kann.
   Er kommt aufs Bett, setzt sich neben mich und beginnt mich sanft zu streicheln, läßt seine Fingerspitzen über meinen Körper wandern und setzt meine Haut in Flammen. Sanft, aber bestimmt gibt er mir zu verstehen, daß er mich auf dem Bauch haben will.
   Jetzt liege ich auf dem Bauch. Fast habe ich mein Spiel vergessen, bin seinen Berührungen ausgeliefert, genieße sie. Da werden seine Griffe fester, härter. Seine Finger krallen sich mal in meine Pobacken, mal greifen sie in die Innenseiten meiner Schenkel. Ein erstes Stöhnen entflieht meinen Lippen.
   Kein Gedanken mehr daran, daß es nur ein Spiel, eine Inszenierung ist. Von mir ist es in diesem Augenblick nur noch Gefühl. Ich spüre sein Gewicht auf mir. Er hat sich über mich gesetzt, legt sich jetzt mit seinem gesamten Körpergewicht auf mich und vergräbt seine Zähne in meinen Schultern. Nicht zu lange, immer bis gerade an den Rand der Schmerzgrenze. Oh, wie gut er meinen Körper und meine Reaktionen schon kennt! Wieder graben sich die Zähne in meine Haut, halten seine Hände mich auf das Bett gepreßt.
   Es schmerzt - ich will mehr. Sein Gewicht auf mir zeigt mir seine Kraft. Er spielt mit mir, mit meinen Gefühlen, lockt mich. Seine Bisse fordern mich heraus. Meine Zähne bohren sich in meine Unterlippe. Ein Stöhnen entfährt mir, ich kann es nicht mehr zurückhalten. Ich spüre sein Macht, will mich nicht wehren, will annehmen, was er mir schenkt. Doch ich ertrage es nicht mehr. Es ist genug...
   Er zieht sich zurück. Bedauern füllt mich sofort aus. Er wartet einige Augenblicke und läßt mich erst etwas zur Ruhe kommen. Mein Atem beruhigt sich wieder. Dann spüre ich seine Finger an dem Verschluß meines BHs. Geschickt öffnet er diesen und streift mir die Träger über die Schultern. Ich stemme mich etwas vom Bett ab, damit er mir den BH ausziehen kann. Seine Hände sind sanft, fast zu sanft. Dann greifen die Finger unter den Rand meines Slips und ziehen ihn mir aus. Er wartet einige Augenblicke. Was tut er nur?
   Vorsichtig versuche ich mich umzudrehen, um zu sehen, was er da tut. Doch das hätte ich lieber nicht tun sollen: Ich spüre, wie er sofort an meinem Körper herunter rutscht, bis er auf meinen Beinen liegt. Seine Hände greifen in meine Pobacken, beginnen sie zu kneten. Dann rutscht er noch etwas tiefer und dann fühle ich, wie sich seine Zähne in mein Fleisch graben. Hart und schmerzhaft. Ich habe nie vorher geahnt, daß Bisse in die Pobacken so schmerzhaft sein können. Meine Pobacken fühlen sich inzwischen heiß an. Die Intensität der Bisse wird intensiver. Ich kralle meine Hände in das Bettlaken. Ich will nicht stöhnen, doch wenn er es noch weiter treibt, werde ich es tun. Mir wird heiß. Ich will, daß er aufhört, aber gleichzeitig spüre ich, wie ich ihm meinen Hintern entgegen recke. In mir kribbelt es, mein Blut fühlt sich wie Feuer an. Mein Begehren füllt mich vollends aus. Ich habe vergessen, daß es nur ein Spiel ist.
   Plötzlich sind seine Hände und Zähne von meinem Po verschwunden. In meinem Kopf ist nur noch Gedanke: 'Warum hört er auf...?' Doch da sind seine Finger. Er löst die Strapse von meinen Strümpfen und zieht mir den Strumpfhalter vom Körper. Dann rollt er die Strümpfe einzeln herunter und legt sie zur Seite. Ich liege immer noch auf dem Bauch, erhoffe jede seiner Berührungen, erwarte die Lust, die aus dem Schmerz geboren wird. Ich bin nackt. Nackt und bereit.
   Doch wieder entzieht er sich mir, steht auf. Sekundenbruchteile später packen mich feste Hände an den Fesseln und ziehen mich etwas tiefer. Meine Füße hängen jetzt etwas über den Bettrand hinaus.
   "Madame werden jetzt ruhig liegen bleiben. Sollten Sie mir nicht gehorchen, werden Sie von mir bestraft werden. Also, halten Sie still!" Was mag er nur vorhaben? Ob er mich schlagen will? Oder vielleicht...doch weiter komme ich in meinen Gedanken nicht, denn in dieser Sekunde spüre ich, wie er beginnt meine Fußsohle zu lecken. Oh, nein...nicht...
   Krampfhaft versuche ich den Fuß still zu halten, doch vergebens: Es kitzelt zu sehr, und schon zuckt mein Fuß ganz von allein. Ich will es nicht, kann es aber nicht unterdrücken. Mein ganzes Fühlen ist jetzt auf die Fußsohle gerichtet. Ich atme noch einmal tief durch, will stillhalten, will es ganz fest. Doch es geht nicht, der Fuß macht was er will, der Reflex ist übermächtig. Es ist vorbei, er geht herunter von mir.
   Wieder dauert es einige Augenblicke, Augenblicke, in denen ich seine Nähe vermisse. Jetzt höre ich das Klicken eines Feuerzeuges. Nah an meinem Ohr, flüstert er: "Madame haben es ja so gewünscht..." - und schon fallen die ersten Wachstropfen auf meinen Rücken, überziehen die Stellen, an denen ich noch vor wenigen Augenblicken seine Zähne gespürt habe, mit einer Wachsschicht. Er spielt mit mir, hält die Kerze mal höher und dann wieder tiefer. Ich falle immer tiefer in dieses Spiel. Jeden einzelnen Tropfen koste ich aus, empfinde seine Intensität - spüre den Aufprall, koste den Schmerz - bedauere das Abklingen der Hitze. Ich ersehne den Schmerz, spiele mit ihm.
   Schnell hat er herausgefunden, wo ich auf den Schmerz intensiver reagiere und wo nicht. Er nutzt dieses Wissen geschickt aus, läßt mich fühlen und ertragen, gestaltet das Spiel, wie ich es mir erträumte.
   Als er die Tropfen wieder auf das empfindliche Fleisch meiner Hüften tropfen läßt, beginne ich zu stöhnen, mich zu winden, beuge mich einerseits den Tropfen entgegen und versuche andererseits auch ihnen auszuweichen. Mein ganzer Rücken muß inzwischen von den Wachstopfen überzogen sein. Jetzt ist es kein vereinzeltes Stöhnen mehr, nein, ich stöhne durchweg, jeder einzelnen Tropfen lockt einen Laut aus mir heraus. Er spielt mit mir, spielt auf meinem Körper wie auf einem Instrument.
   Plötzlich ist er nicht mehr da. Ich fühle mich allein. War mein Körper gerade noch eine einzige Flamme, so breitet sich jetzt Einsamkeit auf ihm aus.
   "Drehen Sie sich um!". Scharf, befehlend klingen diese Worte. Ich drehe mich auf den Rücken, schnell, ohne weiter zu fragen. "Haben Sie jetzt genug, oder wollen Sie auch noch das Finale? Aber ich warne Sie! Wenn Sie jetzt zustimmen, werde ich erst aufhören, wenn ich es will. Keine Fragen, nur eine Antwort. Ja oder Nein? Also - wie ist Ihre Antwort?"
   "JA!" jubele ich.
   "Dann stehen Sie jetzt auf. Sofort!"
   Ich stehe auf, schaue ihn dabei an. Meine Augen werden riesengroß, als ich mit ansehen muß, wie er betont langsam seinen Gürtel aus der Hose zieht. Dann holt er aus seiner Tasche noch ein Seil und zeigt - ohne ein weiteres Wort zu sagen - in Richtung Badezimmer. Er reicht mir die Hand und dirigiert mich so in die Duschwanne.
   "Legen Sie Ihre Handgelenke aneinander." Sorgsam bindet er mir mit dem Seil die Handgelenke aneinander. Seine Hände greifen meine Taille und dirigieren mich in der Dusche hin und her, bis ich so stehe, wie er es will. Mit dem Rücken zu ihm und mit den Füßen auf dem Rand der Duschwanne. Dann befestigt er mit dem Seil meine Handgelenke an dem Gestänge des Duschvorhanges. Es ist so eng befestigt, daß mir nichts anderes übrig bleibt, als still auf dem Duschrand stehen zu bleiben, weil ich sonst Gefahr laufen würde abzurutschen und dann könnte ich nur noch auf den Zehenspitzen stehen - wenn überhaupt.
   "Madame sind voller Kerzenwachs. So können Sie nicht das Zimmer verlassen. Wir werden es entfernen - auf meine Art. Sie bekommen das, wofür Sie bezahlen!"
   Und schon fällt der erste Schlag auf meinen Rücken. Fest, beißend und schmerzhaft. Ich koste ihn aus, diesen Schmerz - erfasse den Aufprall des Gürtels, verfolge das Abklingen des Schmerzes und warte auf den nächsten Schlag. Er schlägt mich, wieder und wieder. Mal schnell und mal langsam, mal fest und mal sanft. Ich stöhne, beginne den Schlägen auszuweichen. Immer mehr, die Schläge werden härter, mein Stöhnen geht in einzelne Schreie unter. Ich will sie und habe Angst vor ihnen. Ich will sie ertragen und bedaure jedes einzelne Abklingen des Schmerzes. Widersinn der Gefühle. Ich falle in dieses Gefühl, es füllt mich aus. Ich will mehr...und doch kann ich nicht mehr.
   Er liest die Sprache meines Körpers, kennt mich und legt deshalb den Gürtel zur Seite. Seine Hände legen sich auf meinen Rücken, lassen sie über den Rücken gleiten, so, als wenn sie nachforschen wollen, ob irgendwo noch ein einzelner Wachstropfen zu spüren ist. Erst als er sich überzeugt hat, daß dem nicht so ist, bindet er mich los.
   Dann nimmt er die Dusche, dreht den Wasserhahn auf und läßt das warme Wasser über meinen geschundenen Rücken rieseln. Er schäumt mit dem Duschgel meinen Körper ein und spült sorgsam den Schaum von meinem Körper. Bevor er den Raum verläßt, reicht er mir noch das große Duschtuch.
   Da stehe ich nun, allein gelassen. Ich trockne mich ab und versinke in meinen Gedanken. Ich lasse die vergangenen Stunden vor meinem inneren Auge vorüberziehen. Ich erschauere bei dem Gedanken an seine Bisse und ein Sehnen breitet sich in mir aus. Ich will mehr davon, viel mehr. Mein Blick geht zu der Duschstange, und unwillkürlich recke ich mich und drehe mich vor dem Spiegel, um meinen Rücken zu betrachten. Stolz steigt in mir auf, als ich die Spuren unseres heftigen Spieles entdecke. Spuren, die mich die nächsten Tage begleiten werden.
   Als ich mich abgetrocknet habe, gehe ich ins Zimmer hinüber und finde ihn am Schreibtisch vor - völlig angekleidet. Ich gehe zu ihm hin und will etwas sagen, doch er kommt mit zuvor, nimmt meine Hand, gibt mir einen formvollendeten Handkuß und sagt: "Ich hoffe, ich bin Ihren Erwartungen gerecht geworden, Madame! Ich erwarte Sie dann unten an der Bar."
   Er geht zur Tür, öffnet diese und dreht sich in der geöffneten Türe stehend noch einmal um, lächelt mich an und beendet das Spiel mit den Worten: "Empfehlen Sie mich bitte nicht weiter, Madame!"


© 1999 Ambiente