Weihnachtsmarkt

von Ambiente
 
 
 
   Es war genau das richtige Wetter, um auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, stellte Jonathan fest und zog sich eine warme Jacke an, wickelte sich einen Schal um den Hals und stiefelte los. Nach zehn Minuten hatte er den Weihnachtsmarkt am Dom erreicht. Seine Nasenspitze war kalt, und er hatte das Gefühl, als wenn sie wie ein rotes Signal leuchten würde.

   Er schlenderte schon eine Weile durch die Budengassen. Die Atmosphäre zog ihn in seinen Bann. Es duftete nach Bratäpfeln und Punsch. Auch Glühwein verbreitete sein Aroma. Weihnachtslieder und Glockengeklirr lag über dem ganzen Geschehen.

   Er mochte diesen Weihnachtsmarkt besonders, weil er nicht so mit Buden fürs leibliche Wohl überladen war. Hier konnte man noch handgemachte Kerzen finden, Weihnachtskugeln und Christbaumschmuck in den typischen Weihnachtsfarben rot, silber und grün. Wunderkerzen zogen seinen Blick magisch an. Die musste er unbedingt haben und ein paar lange handgeschöpfte Kerzen. Er bedauerte es ein wenig, dass er keine Kerzen aus Bienenwachs kaufen konnte, weil er den Duft so sehr mochte. Er entschied sich für zwei lange, schlanke Kerzen aus rotem Wachs und – er konnte nicht widerstehen – eine bienenstockartige Honigkerze.

   So langsam wurde es dämmerig, und er beschloss, das kleine Café am Rande des Domplatzes zu besuchen. Er ging öfters dahin, denn die Atmosphäre war sehr angenehm und die Bedienungen immer freundlich. Das Café Kolmar hatte seine Schaufenster weihnachtlich geschmückt.

   Jonathan suchte sich einen Platz, von dem aus er das Café überblicken konnte. Er mochte es, Menschen zu beobachten. In einer angenehmen Lautstärke untermalten weihnachtliche Klänge den gut besuchten Raum. Jonathan bestellte sich eine Waffel mit Vanilleeis und heißen Kirschen und dazu einen heißen Tee.

   Nachdem Jonathan mit dem Essen fertig war, fiel ihm eine Bedienung auf, die er bisher noch nie hier gesehen hatte. Er spürte, wie er sie intensiver beobachtete. Ihm wurde warm, er fühlte sich wie entrückt. Sie hatte mittellange, karamellfarbene Haare; da er ihren Namen nicht kannte, nannte er sie für sich Caramella. Ihre Augen, groß und bernsteinfarben, passten so gut zu ihrer Haarfarbe. Eine vorwitzige Locke sprang ihr immer ins Gesicht, und nach wenigen Minuten stellte er fest, dass sie diese Locke versuchte wegzupusten, da sie fast immer ihre Hände voll hatte. Jonathan musste schmunzeln, als er das erkannte. ‚Wie gefesselt‘, kam ihm in den Sinn.

   Jonathan musterte Caramella etwas genauer und daher fiel ihm auf, dass sie nicht so dünn war, wie es derzeit die meisten Frauen sein wollten. Seine Caramella wies herrliche Rundungen auf. Nicht nur ihre Brüste waren so, wie er sie bevorzugte, vor allem sprachen ihn ihre Hüften an. Wie von selbst schlossen sich seine Augen, und er sah Caramella nackt vor sich, wie sie über einen Bock gespannt vornübergeneigt stand und seine Hände ins wogende Fleisch griffen, um sie sich zurechtzurücken. Er wußte genau, dass bei den etwas fülligeren Frauen genau diese Partie ihres Körpers besonders empfindlich auf den Kuss der Peitsche reagierte. Oh ja, die Kerzen vom Weihnachtsmarkt würden hier ein herrliches Einsatzgebiet finden. Sicherlich würden ihm auch noch viele andere Nettigkeiten einfallen...

   Etwas war plötzlich anders. Er öffnete die Augen, und Caramella stand genau vor dem Tisch, an dem er saß. Sie schaute ihn an und erwartete seine gesamte Aufmerksamkeit.

   Als sie sicher war, dass Jonathan sie aufmerksam anschaute, lächelte sie kurz und sagte: „Hier ist meine Anschrift, ich erwarte dich heute Abend um 22:00 Uhr. Du wirst die Nacht bei mir verbringen, mir dienen, du wirst deine Welt heute mal aus einer anderen Perspektive erleben, und morgen Abend werden wir hier gemeinsam sitzen und schauen, wie es mit uns weitergehen wird.“

   Jonathan brachte kein Wort heraus, legte Geld auf den Tisch und verließ wortlos das Café... nicht, ohne Caramellas Adresse mitzunehmen.




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