Schöne Bescherung

von Ambiente
 
 
 
   Vor vielen Wintern grübelte ein Gedankenliebhaber darüber nach, wie er Gleichgesinnte zusammen bringen könnte. Das war nicht so einfach, denn seine Schattenwelt ließ sich nicht einfach beschreiben. Vor allem, welche Facetten sollte sie abdecken? Er als Reizverehrer dachte sich, es muss noch andere geben, die ihre Gelüste nicht nur in der Missionarsstellung auslebten. Er liebte die Spannung, die sich entwickelte, wenn Zart und Hart aufeinander trafen, wenn nicht nur Worte das Herz der Liebsten erwärmten, sondern eine gut geführte Gerte das runde, pralle Hinterteil mit erkennbaren Mustern schmückte. Sein Wesen als Bildversessener konnte sich kaum daran sattsehen, wie unterschiedlich die Zeichen verschiedener Schlagwerkzeuge auf weißer Haut erglühten. Die Palette war so vielfältig.

   Er dachte sich, es muss noch andere geben, die sich in der durch Schmerz erzeugten Lust beseelen lassen, ihre Träume und Phantasien nicht allein für sich behielten.

   Der Empfindungsprüfer setzte seinen Traum um und erschuf im Winter 2001 eine Heimstatt für andere Dichtschreiber und Wortkitzler. Die Schattenzeilen wurden geboren und zogen andere Erinnerungsarchivare an.

   Die Schattenzeilen wurden eine virtuelle Heimstatt für viele, die Lust empfanden, wenn sie ihre Gedanken in Geschichten verpackten und dabei als Spurenschürfer fungierten, wenn sie Erlebtes wie einen Fächer ausbreiteten oder aber Phantasien vor den Augen der wachsenden Schar der Schattenfamilie zu Bildern formten.

   Auch ich fand im Sommer 2001 das geheime Tor dieser Schattenwelt und wurde freundlich von einem Mondschatten begrüßt.
Seitdem gehöre auch ich zu den Empfindungsprüfern und fühle mich da wohl. Die Schattenfamilie wuchs, und mehr Wortkünstler und Zeichentieftaucher stießen hinzu und belebten diese Heimstatt des BDSM.

   In Mondschatten formte sich der Gedanke eines Forums, und als Detailfetischist blätterte sich ein wahrer Fächer von Themen und Blogs auf. Eine Community sollte es werden, und... und... und Klein Jona bekam rote Wangen, das Paradies tat sich vor ihm auf. Dann tanzte auch noch ein kleiner, wilder Engel um ihn herum, den er sofort als Devana erkannte, und es dauerte nicht lange, und Anton und Berta kamen dazu.

   Ein Text, der mich bis heute tief beeindruckt fest in seinen Klauen hält, ist die „Ansprache an meine Geliebte“ von Gryphon. Ein Text, der viele ungestellte Fragen beantwortete und Empfindungen weckte. Er schreibt - und es klingt so simpel: Donna und ich verweilen seit 2004 gemeinsam auf den Schattenzeilen, wie auch im realen Leben, mit allem was dazu gehört und BDSM als Sahnetupfen obenauf!

   Leben nicht viele von uns genauso?

   Was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Nun, Devana hat sehr deutlich oder sogar mit erhobenem Zeigefinger darauf hingewiesen, dass bald Weihnachten ist und der Schattenzeilen-Adventskalender mit 24 Überraschungen gefüllt werden muss.

   Ich nehme an, dass Wölfin und Doro schon fleißig die Tastatur klappern lassen, und Dienerin mit roten Wangen ihren Wunschzettel erstellt. Engelchen und Nubes versuchen wie jedes Jahr ihre Geschenke gut zu verstecken.

   Ja, und was mache ich? Ich steige aus der Schattenwelt in die reale Welt und klopfe bald an die Türe eines Schattenzeilenpaares. Das geschieht drei Tage, bevor das erste Türchen geöffnet werden darf. Wer Ambiente etwas durch ihre Geschichten kennt, der weiß, dass sie ziemlich sadistisch ist.

   So auch hier, wenn ich dann nach einem Plauderstündchen, einer Buchsignierung und einer herrlichen Tasse Kaffee den Einschnürer und seine Caramella wieder verlasse, werde ich ein Geschenk hinterlassen.

   Natürlich dürfen die zwei das Geschenk erst öffnen, wenn alle 24 Türchen geöffnet sind.

   Ich wünsche ziemlich sadistisch eine „Schöne Bescherung“ und mach' mich schnell auf meinem Rentierschlitten davon, bevor an mir ausprobiert wird, was ein Tiefdrücker alles kann.




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