Unerfüllte Phantasie

von Ambiente
 

   Die Party war in vollem Gange und ich amüsierte mich prächtig. Die Musik war gut gemischt und die Partygäste aufgeschlossen und lustig. Bei den Getränken war wirklich für jeden etwas dabei. Meine Freundin hatte mich mit einem Kuss rechts und links auf die Wange begrüßt. "Ich habe heute noch eine Überraschung für Dich", flüsterte sie mir ins Ohr. "Du wirst schon sehen." Ich sah sie fragend an, aber sie lächelte nur und sagte: "Warte nur ab."
   Ich war schon gut eine halbe Stunde da, als die Tür aufging und ein neuer Gast eintrat. Irgendwie spürte ich etwas - ich weiß nicht, was es war, aber es zwang mich etwas, mich umzudrehen. Und da stand er - ein Mann, wie ich ihn in meinen Träumen immer wieder sah. Etwas Erotisches strahlte von ihm aus. Er sah nicht einmal besonders gut aus, hatte kein Dressman-Gesicht und war nicht übermäßig groß. Es war die Ausstrahlung, die von diesem Mann ausging, die mich faszinierte. Plötzlich stand meine Freundin hinter mir und sagte: "Ich habe ihn für Dich eingeladen. Du bist allein und er ist allein, aber er weiß nichts von Dir. Mach was draus."
   Ich holte mir einen Baileys auf Eis, stellte mich etwas abseits von den anderen hin und schaute aus dem Fenster. In Wirklichkeit schaute ich natürlich nicht aus dem Fenster, sondern in das Fenster, um den Spiegeleffekt zu nutzen. Aber ich konnte ihn nirgendwo entdecken. Plötzlich spürte ich warmen Atem in meinem Nacken und eine Stimme flüsterte mir ins Ohr: "Möchten Sie sich nicht lieber an mir festhalten als an dem dummen Glas? Ich möchte mit Ihnen tanzen."
   Ich drehte mich um und wusste genau, wer vor mir stehen würde. Die Farbe seiner Augen war nicht bestimmbar. Sie waren nicht blau oder grün, auch nicht grau, aber ich hatte das Gefühl, in ihnen zu versinken. Wir tanzten, erst unterhielten wir uns eine Weile über alle möglichen unwichtigen Dinge.
   "Ich wusste doch, dass Gisela einen Grund hatte, mich einzuladen. Sie ist eine alte Freundin von Dir, nicht wahr?", sagte er, unvermittelt zum Du übergehend. "Ich kenne sie auch schon ziemlich lange. Ich mag sie, ich kann mit ihr über vieles reden. Ich kenne sie vom Job her, wir unterhalten uns öfters", sagte er, "aber sie hat nie von Dir erzählt. Sie spricht allerdings auch nur sehr wenig über Privates. Ich habe das Gefühl, sie schottet sich ab. Aber ich bin überzeugt davon, dass sie mich nur eingeladen hat, damit ich Dich kennen lerne. Komm und lass uns weitertanzen."
   Die Musik schmeichelte und dieser Mann bezauberte mich. Ich konnte und wollte mich diesem Zauber nicht entziehen. "Ich heiße Matthias", sagte er plötzlich, "und Du, wie soll ich Dich nennen?" "Kornelia heiße ich." "Ein ausgefallener Name. Ich werde Dich Nelia nennen, es klingt so weich und zärtlich. Bist Du zärtlich?" fragte er mich ganz ernst.
   Ich schaute zu ihm auf und sah in seinen Augen, dass er diese Frage keineswegs nur der Konversation wegen gestellt hatte. Ich antwortete jedoch nicht, sondern kuschelte mich nur an ihn. Seine Arme legten sich beschützend, aber auch besitzergreifend um mich. Meine Hände lagen jetzt auf seiner Brust. Ich schmiegte mich in seine Arme. Es war schön, mit ihm zu tanzen, schön, seine Nähe zu fühlen.
   Plötzlich spürten meine Finger einen Widerstand. Erst nahm ich es gar nicht bewusst wahr, aber dann hakte ich wieder leicht, als ich über seine Brust strich. Ich schaute hoch zu ihm und er flüsterte nur: "Hast Du mein kleines Geheimnis entdeckt?" Neugierig schaute ich ihn an, wartete, das er noch was sagte, doch er lächelte nur. Damit machte er mich nur noch neugieriger und als die Party sich dem Ende zuneigte, meinte er: "Wenn Du mein kleines Geheimnis erkunden willst, wirst Du mich wiedersehen müssen. Er gab mir seine Telefonnummer, und wir verabschiedeten uns voneinander.
   Zwei Wochen telefonierten wir miteinander um uns zwischendurch immer wieder zu treffen. Auf ein Eis oder ins Kino. Ich spürte mehr und mehr, dass ich diesen Mann begehrte und noch immer wusste ich nicht, was sein kleines Geheimnis war - doch heute abend sollte ich es erfahren.
   Er hatte mich zu einem Abendessen bei sich eingeladen. Er hatte überall Kerzen aufgestellt und den Tisch hübsch gedeckt. Neugierig sah ich mich um. Was ich sah, gefiel mir sehr. Wir aßen und unterhielten uns und ich spürte mehr und mehr: Ich will diesen Mann spüren, will ihn fühlen. Nach dem Essen hörten wir erst noch ein bisschen Musik, tanzten ein wenig miteinander und wussten doch beide, dass wir miteinander schlafen wollten. Knisternde Erotik lag im Raum, als er auf eine Tür zutanzte, sie öffnete und er mich fragte: "Wirst Du mir auch in diesen Raum folgen?" Ich sah ein breites Bett, mit großen Pfosten an allen vier Ecken und einem Überbau, der übers ganze Bett ging. Es war ein Designerstück und ich schaute es bewundernd an.
   Sanft zog er mich zu seinem Bett, und als wir vor dem Bett standen, begann er mich zärtlich zu küssen und die Knöpfe meines Kleides zu öffnen. Dann fiel mein Kleid zu Boden und ich stand in BH, Slip und Strumpfhaltern vor ihm. Meine Strümpfe schimmerten leicht metallisch und harmonierten mit den champagnerfarbenen Dessous. Durch meine hochhackigen Schuhe ging ich ihm fast bis an die Nasenspitze. Er streichelte meinen Körper und es lief mir heiß und kalt den Rücken herunter. Jetzt begann ich die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen und lies es dann auf den Boden fallen. Und jetzt sah ich es - sein kleines Geheimnis: Ein kleiner, goldener Ring schimmerte an seiner Brust.
   Als ich mir die Sache genauer betrachtete, spürte ich, wie ich in starke Erregung verfiel, denn dieser Ring war durch seine Brustwarze gezogen. Er war frei beweglich und ich konnte an ihm ziehen, ihn bewegen und ich spürte, wie ihn diese Berührungen an dem Ring stark erregten. Wir zogen uns aus und erregten uns gegenseitig, bis wir beide, erschöpft durch unsere Orgasmen, nebeneinander engumschlungen im Bett lagen.
   "Wie bist Du an den Ring gekommen?", fragte ich ihn und er erzählte mir, dass er immer schon Intimschmuck erregend gefunden hätte. "Es gibt da wunderschöne Dinge", meinte er und holte einen Katalog aus einer Schublade. Gemeinsam blätterten wir diesen durch und ich wurde mehr und mehr von diesen Schmuckstücken fasziniert. Da gab es Ringe für die Herren und Ringe für die Damen, Kettchen, mit denen die Ringe verbunden werden konnten und vieles mehr.
   Er gab mir den Katalog mit und sagte: "Ich kann mir vorstellen, dass an Deinen Brüsten diese Ringe auch fantastisch aussehen würden." Einige Tage lang blätterte ich immer wieder in dem Katalog und versuchte mir vorzustellen, wie es wohl aussähe, wenn mich Intimschmuck zieren würde.
   Einige Tage später ging ich in eine Videothek und holte mir einen Film, bei dem es sich um diese Art von Schmuck drehte. Ich war wieder fasziniert, es erregte mich zu sehen, wie Schamlippen mit diesen Ringen verziert waren, wie an einem Schwanz diese Ringe blitzten...es war für mich eine Phantasie, mich selbst mit diesen Ringen geschmückt zu sehen. Aber es war "nur" eine Phantasie, denn es wird eine unerfüllte Phantasie bleiben.


© 1992 Ambiente