Geschenke vom Weihnachtsmarkt

von Ambiente
 
 
 
   Laura stand an der Terrassentür und schaute gedankenverloren nach draußen. Mit beiden Händen hielt sie ihren Becher mit Tee in der Hand. Ab und an nippte sie an dem noch zu heißen Getränk. Ihre Augen leuchteten auf, als sie feststellte, dass es leicht angefangen hatte zu schneien. Die Flocken tanzten ganz leicht durch die Luft.

   Sven stand an den Kaminsims gelehnt und betrachtete seine Freundin. Er kannte Laura inzwischen gut genug, um in ihr lesen zu können, wie in einem Buch. Er sah, dass sie gleich zu ihm herumwirbeln iihn darum bitten würde, mit ihr nach draußen zu gehen. Sie wollte die herabrieselnden Flocken auf ihrem Gesicht spüren.

Leise ging er in den Flur und holte schon einmal den Fellmantel seiner Freundin, und als sie sich umdrehte, hielt er ihr schon den Mantel zum Hineinschlüpfen hin.

Kurze Zeit später schlenderten sie auf den Weihnachtsmarkt zu. Durch viele Gespräche mit Laura wusste Sven, dass sie Weihnachtsmärkte liebte. Eine ganz geheimnisvolle Stimmung herrschte auf diesen Märkten. Die Luft war geschwängert von vielen Gerüchen. Glühwein und Zimtsterne, Waffeln und Eiergrog...

Wieder einmal ging es Sven durch den Sinn, wie schön es doch war, in einer Kleinstadt zu wohnen. Hier ging alles geruhsamer zu. Keine Menschenmassen schoben sich Millimeter um Millimeter durch die Gassen des kleinen Weihnachtsmarktes. Hand in Hand schlenderten die beiden zwischen den Buden dahin, blieben beim Holzschnitzer stehen und sahen seinen Fingerfertigkeiten zu. Dann lockte der nächste Stand. Sven betrachtete die Auslage des Standes, in dem Glaswaren aller Art angeboten wurden. Laura schaute sich sehr interessiert die verschiedenen Weihnachtskugeln und Baumspitzen an.

   Inzwischen hatte Laura vor Aufregung ganz rote Wangen bekommen. Sie drehte sich zu Sven an und fragte: „Werden wir einen Weihnachtsbaum haben? Mit roten Kugeln? Und richtigen Kerzen – ich meine, so richtige Kerzen?“

   Sven nickte bedächtig und fragte: „Wirst Du denn Weihnachten bei und mit mir verbringen?“ Laura schaute ihn an, als verstände sie die Frage nicht. „Natürlich – wenn ich bei Dir sein darf. Darf ich...?“

   „Aber ja, mein Herz, es wird unser erstes gemeinsames Weihnachten sein. Es soll ein ganz besonderes Fest werden.“

   Während Laura sich an einer der Buden einen Germknödel mit Vanillesoße und Mohn schmecken ließ, zog es Sven noch einmal zu dem Stand mit den Glasartikeln hin. Er hatte da vorhin einen schillernden Glaswürfel gesehen und eine schöne Sanduhr aus Kristall. Er kaufte beide Teile und freute sich, dass er so schöne, außergewöhnliche Geschenke für Laura gefunden hatte. Schnell ließ er die Kostbarkeiten in seine Manteltasche gleiten.

   Wäre Laura nicht selbst so voller Freude über den Besuch des Weihnachtsmarktes, so wäre ihr vielleicht das leichte Lächeln in Svens Mundwinkeln aufgefallen. Aber sie war viel zu abgelenkt dafür.

   Zwei Wochen später war Weihnachten, und zusammen schmückten sie den Baum mit den auf dem Weihnachtsmarkt gekauften Christbaumkugeln, verteilten die Kerzenhalter auf den Zweigen und füllten sie dann mit den Kerzen auf. Die Baumspitze vom Weihnachtsmarkt war ein Kleinod. Noch nie hatte Laura eine solche fein ziselierte Spitze gesehen. Im Raum spielte leise Weihnachtsmusik, und im Kamin flackerte ein munteres Feuer.

   Als alles fertig war, schauten sich beide den Baum an und erklärten ihn zu ihrem schönsten und tollsten Baum. Die Kerzen wurden angezündet und die kleinen Päckchen unter dem Baum verteilt. Laura legte zwei Päckchen hin, Sven zauberte drei Päckchen hervor, und bald lagen alle Geschenke unter dem Baum.

   Laura lugte unter den Baum und flüsterte: „Immer abwechselnd. Ich fang' an, einverstanden?“ Sven suchte eines der Päckchen aus und reichte es Laura.

   Ihre Augen strahlten nicht weniger als die flackernden Kerzen am Weihnachtsbaum. Vorsichtig packte sie das Päckchen aus und fand eine wunderschöne Halskette mit einem Anhänger, der eine Triskele abbildete.

   Als Laura ihn fragend anschaute, spürte er, dass sie die Bedeutung dieses Abbildes nicht kannte. Er setzte sich auf Sofa und bat sie ganz zu sich heran. Wie schon so oft vorher, kniete sich Laura neben seine Beine und legte ihren Kopf auf seine Knie. Sie mochte diese Position, fühlte sich wohl und geborgen dabei.

   Sven strich Laura gleichmäßig über ihre Haare und begann leise zu reden: „Wir haben schon ein paar Mal angeschnitten, dass ich Dich gerne führen möchte, nicht nur im Leben, sondern auch in unserem Liebesspiel. Ich möchte auf Dich achten, wenn wir in eine Session abgleiten. Dazu musst Du mir vertrauen. Vertrauen ist das Größte, was Du mir schenken kannst, ich möchte Dich binden, möchte Dir in kleinen Dosen Schmerz zufügen, nicht nur Schmerz, sondern Lustschmerz. Ich würde Dich gern in meine Welt der Sexualität führen. Vertraust Du mir?“

   Laura schaute hoch zu ihm und griff dann wortlos unter den Baum und holte ein Päckchen hervor, um es Sven zu reichen. Er wickelte es aus und hielt ein Schloss in der Hand. „Ich vertraue Dir, ich habe gefühlt, was Du in mir auslöst, ich habe viel darüber gelesen, über dieses Machtgefälle. Ich weiß nicht, ob es mir gefällt, aber die Gedanken daran erregen mich. Dies ist das Schloss und hier“, – sie reichte ihm das zweite Päckchen –, „ist der Schlüssel dazu. Nutze es, wie es Dir gefällt.“

   Sven stockte kurz der Atem, und überglücklich zog er Laura hoch zu sich, nahm sie in den Arm und hielt sie fest an sich gedrückt. Dabei flüsterte er ihr ins Ohr: „Du hättest mir kein schöneres Geschenk machen können.“

   Laura begann unruhig hin und her zu zappeln, denn die Neugier auf die beiden anderen Geschenke von Sven breitete sich in ihr aus.

   Sven gab ihr einen leichten Klapps auf den Po und sagte schmunzelnd: „Nun geh schon und hol sie dir.“ Mit roten Wangen packte sie das erste Päckchen aus und rief: „Den habe ich auf dem Weihnachtsmarkt gesehen!“ Sie hielt den Würfel in der Hand, und das Kaminfeuer fing sich in dem Kristall. Schnell wickelte sie auch das letzte verbliebene Geschenk aus und hielt die Sanduhr in der Hand. Ratlos schaute sie zu Sven hinüber, dann wieder auf die beiden Glasgeschenke.

   „Komm zu mir, mein Herz, ich will Dir erzählen, was es mit den beiden Dingen auf sich hat: In ein paar Wochen oder Monaten werden wir so weit sein, dass wir in unseren Sessions aufgehen. Ich glaube fest daran, dass Du eine kleine Subbie bist, dass du geführt werden möchtest und dass du dich mir hingeben möchtest, mit allen Sinnen. Der Würfel und die Sanduhr werden Dich durch einige dieser Sessions führen.
Es gibt Dinge, die ich gern mit Dir tun möchte. Unser Zeitmaß wird die Sanduhr werden.

   Im Augenblick stelle ich mir die folgenden peinigende Sachen vor, die ich schon in vielen Träumen mit Dir durchlebt habe:
  1. Nippelklemmen,
  2. ein Nervenrad,
  3. eine neunschwänzige Peitsche,
  4. eine Fasanenfeder,
  5. eine Gerte und
  6. ein Paddel.
   Das sind sechs Teile. Wenn ich mich mit Dir befasse, dann wirst Du meistens in diesem Raum stehen, dort, vor dem Kamin. In der Decke ist ein Haken, und in diesem wird sich dann immer eine Kette befinden. Dort ist meistens dein Platz, wenn wir „spielen“. Wenn ich dich strafen muss, dann wirst du den Würfel zwischen deinen Zähnen halten. Ob ich dich streichele, dich dehne oder andere Dinge mit Dir tue, du wirst diesen Würfel festhalten müssen. Lässt du ihn los, fällt er runter, dann bedeutet die Zahl, die auf dem Würfel zu sehen ist, das Instrument, mit welchem ich dich strafen werde. Liegt zum Beispiel die 1 oben, werde ich Dir die Nippelklemmen anlegen.

   Dann werde ich die Sanduhr umdrehen, und dann kannst Du selbst sehen, wie lange Du diese Pein ertragen wirst.“

   Mit leuchtenden Augen blickte Laura zu Sven, und den restlichen Abend verbrachten sie damit, sich die Phantasien zuzuflüstern, die beide schon lange wie ein Geheimnis gehütet hatten...




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