Erwartung

von Ambiente
 
 
 
   Die Zeit steht still. Ich weiß nicht genau, wie lange ich hier schon knie. Es ist eine ungewöhnliche Art zu knien, aber mein Sensei hat es mir so befohlen. Meine Knie, leicht voneinander gespreizt, berühren mehr als eine Armlänge vom Bett entfernt den Boden. Mein Körper ist vom Unterleib an lang gestreckt. Ich spüre noch immer die steuernden Hände meines Sensei. Ich kniete seit einer gefühlten Ewigkeit aufrecht vor dem Bett. Dann kam er zu mir und legte eine Hand auf meinen Unterleib und die andere auf meinen Rücken um mich hinunter zu drücken. Seine Stimme schwang durch den Raum: "Strecke Deine Arme über den Kopf." Ich tat, wie mir befohlen und ließ mich von seinen Händen führen. Meine Arme lagen nun von den Ellenbogen an auf dem Bett und bildeten eine Linie mit meinem Körper. Seine Hände drückten meinen Kopf auf meine Arme, dann ließ er mich allein.

   Er schenkte mir Zeit. Die Zeit, die ich brauchte, um zur Ruhe zu kommen, um mich auf unser Spiel einzulassen. Ich genoss diese Zeit, alles fiel von mir ab, und ich war allein, allein in diesem Raum mit meinen Gedanken, wartete auf ihn, auf seine Phantasien, auf sein Spiel.

   Unsere Spiele haben sich entwickelt, waren gereift, aber noch immer gab es einige Grenzen, die wir nie überschritten hatten. In der Erregung waren viele dieser Phantasien so wundervoll, so erregend. Schon oft habe ich mich gefragt, was ist, wenn er diese Grenze bei mir überscheitet, diesen einen Schritt weitergeht, den wir bisher nicht gewagt haben.

   Will ich es denn?

   Meine Gedanken huschten in meiner Erinnerung herum, durchlebten die erregendsten Momente einiger unserer Sessions.

   Ich spürte meine Knie nicht mehr, vor einiger Zeit hatten sie begonnen zu schmerzen, aber ich wagte es nicht, mich aufzurichten. War mein Sensei wirklich nicht mehr im Raum? War ich wirklich allein?

   Spielte das eine Rolle?

   Ich spürte jede Faser meines Körpers, meine langgestreckten Arme, meinen Oberkörper, meine gespreizten Schenkel. Trotz oder gar wegen meiner freiwillig geschlossenen Augen konnte ich mich in Gedanken sehen. Meinen Hintern, der leicht geöffnete Spalt zwischen den Pobacken, die zitternden Oberschenkel und im Tal der Oberschenkel, die glitzernde, für ihn meine leicht zugänglich Grotte der Lust. Aber auch die ungeschützten Fußsohlen. Oh ja, ich wusste es genau, auch die waren ein Objekt seiner Lust.

   Ein wehmütiges Gefühl ergriff mich. Bei einem unserer letzten Spiele lag sein Hauptaugenmerk auf meinen Fußsohlen. Er schenkte ihnen Tropfen von heißem Wachs – ein wohliger Schauer durchlief mich bei dieser Erinnerung – dann streichelten mich die Riemen unserer Neunschwänzigen auf dem Rücken um ihren Weg über die Oberschenkel zu den Fußsohlen anzutreten. Jeder Schlag war eine Nuance heftiger als der zuvor. Mein Sensei hatte diese Schlagkunst vervollkommnet. Ebenso wie seine Gleichmäßigkeit bei den Schlägen. Ich konnte mich in die Schläge fallen lassen, wusste schon vorher, wann sie wie heftig fallen würden. Da hatte die Peitsche ihr Ziel erreicht, sie war bei den Fußsohlen angekommen und vollführte da ihren schmerzhaften Tanz.

   In diesem Augenblick fühlte ich, wie sich eine erste Perle meiner Feuchtigkeit löste und an meinem Oberschenkel langsam herablief. Auch jetzt erregte mich der Gedanke an das Spiel von vor einigen Wochen. Ob mein Sensei heute seine Lust auf diese beiden Stellen meines Körpers konzentrierte?

   Aber auch Angst schwang durch diese Gedanken. Damals hatte er die Peitsche gegen den Stock getauscht. Der Schlag mit dem Rohrstock zischte durch die Luft und zerriss mich schier. Die Woge des Schmerzes überrollte mich und ich schrie auf. Der zweite, dritte und vierte Schlag waren ebenso heftig – es war eine Strafe, eine heftige Strafe und ich schrie bei jedem Schlag schmerzvoll auf, aber ich stand es durch. Ich weinte, aber ich war auch stolz – ich hatte es durchgestanden. Wollte ich es noch einmal fühlen? Diesen durchdringenden Schmerz? JA – ich war bereit dazu, denn ich erinnerte mich an seinen Blick. Stolz funkelte in seinen braunen, mich beherrschenden Augen, als ich ihn wieder ansehen durfte.

   Meine Gedanken kehrten zurück, konzentrierten sich wieder auf meinen Körper.

   Vielleicht war das Ziel seiner heutigen Begierde meine herabhängenden Brüste. Ich wusste, wie gern er sie quälte, um mir Lust zu schenken, wie sehr er es genoss, sie abzubinden. Ich kannte seine Phantasie, mich einmal an meinen abgebundenen Brüsten aufzuhängen. Eine Grenze, die wir kannten, die er aber noch nie überschritten hatte. Erwartete ich, dass er sie überschritt, wünschte ich mir das?

   Ich spürte, wie eine Woge der Erregung mich erfasste. Wie die Lust mit festen Händen nach mir griff. Spürte meinen Körper, jede einzelne Faser.

   Ich wurde unruhig, konnte meine Feuchtigkeit nicht mehr halten. Ahnte, dass die Innenseiten meiner Schenkel glänzten und wusste plötzlich, weshalb er mich hier warten ließ.

   Durch die von ihm gewählte Position, so wurde mir bewusst, hatte er Zugang zu allen erogenen Zonen, die er so gern liebkoste oder bestrafte, die er ausfüllte, quetschte oder dehnte, schlug, peitschte oder mit Wachs malträtierte. Ich spürte meine Rosette zucken, und meine Klitoris pochte. Wollte er dahin, den dunklen Eingang erobern?

Wir hatten schon oft darüber gesprochen. Hatten beschlossen, diesen Eingang, der viel zu eng war, zu trainieren, ihn zu weiten. Bisher war auch dies nur eine Phantasie. Eine Phantasie, die vielleicht heute begann Wirklichkeit zu werden? Er hatte durch meine Stellung leichten Zugang zu meinem Poloch, konnte mich dabei mit den Fingern erregen.

   Würde er diesen Eingang in meinen Körper wählen? Oder hatte er vielleicht noch etwas völlig anderes für heute geplant?

Ich schaltete meine Gedanken ab, taumelte auf den Wogen der Erregung. Ich war bereit für meinen Sensei, kostete das Warten auf ihn aus und genoss die Zeit der Erwartung die er mir schenkte.





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