Die Begegnung

von Ambiente
(Leseprobe)
 
 
 
   "Da stand in einer Ecke zum Beispiel ein Behandlungsstuhl, wie Sie ihn nur in der Praxis eines Frauenarztes vermutet hätte. Der Boden bestand anscheinend aus Platten, und mitten im Raum war eine Art Torbogen zu sehen. Die Seitenwände des Bogens hatten Öffnungen in verschiedenen Höhen. Sie schaute auf die andere Leinwand und wandte den Kopf wieder zurück. Es war lästig, denn jedes Mal, wenn Sie die eine Leinwand sehen wollte, musste Sie Ihren Körper drehen. Schaute Sie dann zurück auf die andere Wand, musste Sie sich wieder um 180° drehen. Sie stutzte, schaute noch einmal - und stellte fest, dass es sich bei beiden Räumen, die auf den Leinwänden zu sehen waren, um ein und denselben Raum handelte, nur aus zwei verschiedenen Blickwinkeln aufgezeichnet. Leichte Musik erklang, dann nahm Sie eine Bewegung auf der Leinwand wahr. Eine junge Frau wurde in den Raum geführt. Sie war wunderschön, wie Sie neidlos eingestehen musste. Lange, wehende Haare umhüllten ein feines Gesicht, sie war schlank und hoch gewachsen. Strahlende Augen beherrschten das ebenmäßige Gesicht.

   Zwei Männer, rechts und links von ihr, führten sie in den Raum. Die beiden platzierten sie unter dem Torbogen und zogen ihr ein Cape ab, welches ihren Körper nur leicht umhüllt und ihre fraulichen Attribute betonte. Jetzt stand die junge Frau, nackt bis auf zwei Gold-Sandaletten, zwischen den beiden Pfosten und hob ihre Arme, ohne dass nur ein Wort zwischen ihr und den Männern gewechselt wurde. Beide Männer schnallten nun je eine Ledermanschette um ein Handgelenk der jungen Frau und befestigten dann ihre Arme seitlich über dem Kopf an den beiden Pfosten. Dann gingen sie hinaus. Die junge Frau stand ruhig zwischen den Säulen und schien auf etwas zu warten.

   Der Baileys war leer, und leicht erregt stand Sie auf, um sich einen zweiten Drink einzugießen. Dabei bemerkte Sie, dass auf der anderen Leinwand nun die Kamera voll auf die Tür gerichtet war - während auf der einen die Frau zwischen den Säulen zu sehen war, die nun erwartungsvoll in Richtung Tür schaute.

   Sie setzte sich mit dem Drink wieder in den Sessel und schaute ebenfalls auf die Tür, und als diese sich öffnete und Sie endlich den Mann wiedersah, schlossen sich Ihre Finger ganz fest um das Glas. War das der gleiche Mann, den Sie im Park gesehen hatte? Sie fühlte, wie Ihr Mund trocken wurde. Er war korrekt gekleidet, hatte eine schwarze Hose an, ein makelloses weißes Hemd und trug ein Tuch im Ausschnitt. Nein - Sie bildete es sich nicht ein: Er schaute direkt in die Kamera - nein: nicht in die Kamera: Er schaute ‘SIE’ an ... dann neigte Er leicht, wie zum Gruß, Seinen Kopf und wandte sich erst dann ab, um zu der Frau zu gehen. Dabei knöpfte Er Seinen rechten Hemdsärmel auf, um ihn zwei-, dreimal hochzukrempeln. Das gleiche tat Er in aller Ruhe auch mit dem anderen Ärmel. Dann stand Er vor der jungen Frau, die dort angekettet auf Ihn wartete. Er legte den Zeigefinger unter ihr Kinn, hob es etwas an, um ihr einen leichten Kuss auf die Lippen zu hauchen.

   Es gab Ihr einen leichten Stich: Sie ... Sie wollte seine Lippen spüren. Sie drehte sich weg, und Ihr Blick wurde sofort wieder von der anderen Leinwand eingefangen. Sie zeigte jetzt die junge Frau zwischen den Säulen in Großaufnahme: Jeder Millimeter ihrer Vorderseite war zu sehen. Die Augen waren groß und strahlend auf den Mann gerichtet - und Sie selbst drehte sich wieder zurück, um festzustellen, dass die andere Kamera voll auf den Mann gerichtet war. Sie drehte sich noch einmal, wusste nicht, welche Einstellung Sie anschauen sollte: Beides war reizvoll - es war eine Quälerei, sich entscheiden zu müssen, welche Perspektive Sie anschauen sollte. Wieder drehte Sie sich herum: Sie wollte IHN sehen, IHN ansehen - wollte SEINE Züge in sich aufnehmen.

   Sie begehrte diesen Mann. Warum nur hatte Er Sie in diese Situation gebracht - wollte Er, dass Sie zusah?

   Sie war plötzlich davon überzeugt, dass Er es sogar angeordnet hatte. ‘Diese Augen können einen Menschen beherrschen’, wurde Ihr bewusst.

   Sie schloss die Augen und horchte in sich hinein. Sie, die Frau, die sich im Geschäftsleben durchsetzen konnte, Mitarbeiter führte und Anweisungen erteilte - hier fühlte Sie sich stark und schwach zugleich. Etwas völlig Neues machte sich in Ihr breit. Ein irres Gefühl. Sie öffnete wieder die Augen und sah, wie Er nach einer Dose griff, den Deckel sorgsam abdrehte und dann damit in der Hand auf die Gefesselte zuging. Eine Drehung um 180° bewirkte, dass Sie sehen konnte, wie sich die Augen der gefesselten Frau mit dem Erkennen, was auf sie zukam, weiteten. Die Lippen pressten sich kurz aufeinander - dann begann sie, sich wieder zu entspannen. Nie hatte Sie in dem Gesicht einer Frau so lesen können, wie Sie es an diesem Abend, bei dieser Fremden, konnte. Fast spürte Sie die körperliche Spannung, die von der gebundenen Frau ausging. Sie drehte sich wieder zurück und sah gerade noch, wie Er die Finger in die Creme steckte und anfing, leicht den Körper der Frau einzucremen. Er begann mit dem Hals: Leicht und gleichmäßig huschten Seine Finger über die Haut. Überall da, wo die Creme aufgetragen war, konnte Sie ein leichtes, fluoreszierendes Schimmern wahrnehmen. Jetzt war der Brustkorb an der Reihe: Mit leichten, kreisenden Bewegungen rieb Er die Creme in die Haut - sanft umkreisten Seine Finger die Brüste, bewegten sich immer weiter auf die Nippel zu und überzogen dann auch diese mit der schimmernden Schicht.

   Ein erstes leises Stöhnen der Gefesselten wurde hörbar.

   Sie drehte sich wieder und konnte sehen, dass die junge Frau nun die Lippen etwas geöffnet hatte und ihre Lider leicht flatterten. Sie begann sich zu bewegen - man konnte ihr ansehen, wie sehr sie diese Berührungen erregten. Wieder zurückgedreht, sah Sie, wie Er jetzt die Haut des Bauches einrieb - Seine Fingerspitzen näherten sich mehr und mehr der Scham der Frau. Die Bauchdecke zuckte und pulsierte. Die Gebundene versuchte, sich der Hand entgegen zu beugen, aber es gelang ihr nicht, da Er ihren Bewegungen auswich. Bei einem erneuten Versuch, den Körper der Hand mehr entgegenzustrecken, holte Er kurz aus und ließ die flache Hand auf die Innenseite ihres Schenkels klatschen, und ein Schmerzensschrei zerflatterte im Raum. Jetzt versuchte die Geschlagene wieder ruhig dazustehen, aber schon kurze Zeit später sah man ihr deutlich an, dass die Erregung schon wieder ihre Finger nach ihr ausstreckte. Jetzt ging Er um sie herum, um auch den Rücken einzucremen. Tiefer und tiefer glitt Seine Hand, verteilte die Creme sorgfältig an allen Stellen des nackten Körpers. Selbst die Pokerbe bekam ihren Teil Creme mit, und die Schenkel zitterten wieder den Berührungen entgegen.

   Sie saß in Ihrem Zimmer, im Sessel, schaute Ihn an und war wütend über sich und über Ihn. Es war eine Qual, diesen Berührungen zuzusehen und das eigene Feuer zwischen den Beinen zu fühlen. Längst hatten Ihre Finger das Zentrum Ihrer Lust gefunden, und Sie tauchten wieder und wieder ein in die heiße, feuchte Tiefe - ohne sich jedoch die ersehnte Erlösung zu verschaffen."



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